Auf der Bühne:
Andrey Shabashev Quartett

Erneut war er da, Andrey Shabashev. Ende März war er für den erkrankten Nico Hering eingesprungen, diesmal stand er mit seinem Quartett auf der Bühne. Und wer erwartet hat, dass er die gleichen Stücke wie Ende März zu Gehör bringen würde, wurde auf angenehme Art nicht enttäuscht. Denn mit seiner wunderbaren Version der Beatles-Ballade „Michelle“, die bereits vier Wochen vorher erklungen war, und die man durchaus gerne mehrmals hört, eröffnete er den Abend.

Es war Beatles-Wochenende im Eschborn K, und der Session am Sonntagabend waren ein Freitagabend mit zwei Beatles Filmen, und der Samstagabend mit der Brandy-Beatles-Complete-Coverband vorausgegangen. Mit seiner sehr verinnerlichten Version dieses Beatles Klassikers, sowie einer ebenfalls lyrischen Bearbeitung von „And I love her“, die im weiteren Verlauf des Abends erklang, zollte das Quartett den Songgiganten aus Liverpool eindrucksvoll Respekt. Von den Größen westlicher Popmusik spannten Shabashev und seine Mitmusiker dann den Bogen zu osteuropäischer Volksmusik, zu Melodien und Klängen seiner russischen Heimat, die er gleichermaßen gefühlvoll und virtuos in jazzige Rhythmen und Spielstrukturen überführte. Besonders hier zeigte sich der aus Bulgarien stammende Gitarrist Veselin Popov als hervorragender Musikpartner im Wechsel zwischen der Gestaltung begleitender Harmonien und virtuoser Soli. Später ging es musikalisch wieder zurück gen Westen, u. a. mit Michel Petruccianis „Miles Davis Licks“.

Ohne Bass und Schlagzeug wäre das Quartett nicht komplett: Hanns Höhn am Bass – auch ihn durften wir bereits Ende März hören – und Andreas Neubauer am Schlagzeug vervollständigten die Besetzung. Dabei brachten sie sich durch ihre musikalische Gestaltung der Stücke und ihre herausragende spielerische Klasse sowohl bei der Begleitung, vor allem aber auch bei ihren Soli derart in das Quartett ein, dass die Grenzen von solistischen und begleitenden Musikern oft aufgehoben schienen. Da musizierten vier Jazzer der Extraklasse auf Augenhöhe, und es war ein Genuss, sie und ihre Musik zu erleben.

Die anschließende Session ließ sich gut an. Die Musiker hatten viel Spaß, und einer der professionellen „Kollegen“ des „Andrey Shabashev Quartetts“ lobte das musikalische Niveau der Jamsession. So kann es gerne weitergehen…

Heiner Geerlings

Die Bilder sind – wie fast immer – von Harald Stuckmann, der sehr gerne Jazz, aber durchaus auch anderes fotografiert. Siehe: www.harald-stuckmann.de

1 Antwort
  1. Manfred Reichert says:

    lieber heiner,

    danke für den stimmungsvollen text. so kann man sich – auch wenn man nicht dabei gewesen ist – sehr schön in den abend hineinversetzen.

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