Auf der Bühne:
Oliver Leicht und der Salon

Sie würden „Musik an der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine“ machen, so Oliver Leicht. Mit genau dieser Musik eröffneten er und sein „Salon“ am letzten Sonntag im Januar die zweite Hälfte der Sessionsaison 2019/2020. „Der Salon“, das sind Oli Rubow an den Drums und Ulf Kleinert an den Keyboards, einem Fender Rhodes sowie einem Masterkeyboard. Bandleader Oliver Leicht spielte ausschließlich seine Klarinette.

Und dann waren da noch die Maschinen … Eine umfangreiche Ausstattung an Effektgeräten, Computern, Mischpulten und Kabeln an allen drei Instrumenten rundeten den Eindruck ab, man sei eher in einem Studio als auf der analog geprägten Bühne des Eschborn K. Schon nach den ersten Klängen wurde deutlich, dass die drei Meister ihrer Instrumente ihre elektronischen Helfer zielsicher einzusetzen wussten, um den Zuhörern neue und unbekannte Klangsphären zu eröffnen. Die Elektronik wurde dabei nie zum Selbstzweck, sondern vergrößerte die Klanglichkeit der akustischen Instrumente und entwickelte ihre Ausdrucksmöglichkeit weiter. Ausgehend von vertrauten Klangstrukturen – liedhaften Patterns, klezmerartiger Melodik oder groovenden Harmoniependeln – entfalteten die Drei teils sehr lange Improvisationen. Dass der weiche Klang des Rhodes und der geschmeidig warme Klang der Klarinette nicht in Undeutlichkeiten verschmolzen, war vor allem der Fähigkeit der Musiker geschuldet, einen groovenden Puls und rhythmisch feinste Binnenstrukturen immer wieder neu zu entwickeln, neu zu beleben, und dadurch den gesamten Strom ihrer Klänge bis zum Nachhall spannungsvoll zu erhalten.

Temperamentvoll ging es dann beim Postopener des Abends, der Band „Monofunk“, zur Sache. Martin Gerken (p), Benjamin Fischer (dr), Nicolai Schneider (b), Martyn Dhgam-Weller (git), Moritz Wolf (trb), Marcel Schmid (ts) und Oliver Stuckard (tr / flh) – 7 Musiker aus dem Raum Darmstadt sind dem Eschborn K schon durch frühere Auftritte freundschaftlich verbunden und leiteten mit Mamboklängen und Funky Sounds zur Session über. Trotz Umbesetzungen in der Band vor nicht allzu langer Zeit, spielten sie sehr gut aufeinander eingespielt, kraftvoll und mit sehr frischem Sound. Selten war das Auditorium so gut gefüllt. Und schnell war man sich einig, dass dies ein fulminanter musikalischer Start ins Eschborner Kulturjahr 2020 war.

Heiner Geerlings

Die Bilder sind – wie fast immer – von Harald Stuckmann, der sehr gerne Jazz, aber durchaus auch anderes fotografiert. Siehe: www.harald-stuckmann.de