Auf der Bühne: Tilmann Höhn & Band

„Eigentlich sehe ich mich nicht als Jazzmusiker. Aber ich wollte einfach mal ein Projekt mit `ner richtigen Jazzband machen. Und weil die drei nicht schnell genug „Nein!“ gesagt haben, gibt’s jetzt dieses Projekt.“ So Tilmann Höhn über die Entstehung seines Projekts und die Motivation seiner Musikpartner, mitzuspielen.

Gott sei Dank haben sie nicht „Nein!“ gesagt, seine drei hervorragenden Musikpartner an diesem Abend: Hanns Höhn am Bass (Nein, er ist nicht der Bruder von Tilmann Höhn!), Jens Biehl am Schlagzeug und Tilmanns langjähriger Freund Heinz-Dieter Sauerborn am Saxophon. Alle Stücke, die an diesem Abend gespielt wurden, stammen aus der Feder vom Bandleader, die meisten sind im Rahmen seines Projektes Simple Songs – einfache Lieder – entstanden. Solche Songs kann man – lt. ihrem Schöpfer – recht einfach schreiben, daher auch der Titel. Und das geht ganz einfach so: man wacht morgens auf, bekommt im Idealfall einen Kaffee oder Tee ans Bett gebracht, und dann macht man aus dem ersten musikalischen Einfall, den einem die Muse zu früher Stunde ins eigene Kreativzentrum schleudert, ein neues Stück. Ein passender Titel findet sich meist später, spontan und frei assoziativ. Wie so viele der Titel des Abends, zu denen alle eine eigene nette Geschichte haben, und die ihr Autor jedes Mal aufs neue unterhaltsam und wirkungsvoll zur Geltung bringen wusste. Und wenn man es dann musikalisch noch so drauf hat, wie Tilmann Höhn, dann klingen die Songs auch richtig gut. Gleich im ersten Stück des Abends, Empty City, zu dem er von einer Fernsehdoku über eine Welt nach dem  Ende der Menschheit inspiriert wurde, wird ein weiteres Charakteristikum von ihm deutlich: sein feiner, ironischer und sehr pointierter Humor. Das Stück beschreibt den Weltuntergang sehr stilvoll im Latinfeeling.

Und so wurde der Abend nicht nur sehr kurzweilig, sondern musikalisch und – mit Blick auf die Vielfalt der Stücke und die herausragenden Spiel- und Gestaltungsqualitäten aller Bandmitglieder – ein sehr hochkarätiger Genuss für das prall gefüllte Auditorium im Eschborn K.

In der anschließenden Session standen nicht nur einige langjährige, liebgewonnene und treue Sessiongäste auf der Bühne, sondern mit Tim Zehelein (p), Casey Peter (git) und Andreas Baltes (voc, harp) auch drei Musiker, die bei ihrer Sessionpremiere in Eschborn mit ihrem Spiel neue Klänge auf die Bühne brachten, und die wir dort hoffentlich bald wieder erleben dürfen.

Heiner Geerlings

Die Bilder sind – wie fast immer – von Harald Stuckmann und Hennes Peter