Auf der Bühne: trio de lucs

Das trio de lucs eröffnete am 27. Januar das Sessionjahr 2019 im Eschborn K. Dem im Bandnamen wortspielhaft angedeuteten Qualitätstandard wurden die Musiker aus Mannheim vollauf gerecht. Und das, obwohl sich einer reibungslosen Performance gleich zu Beginn mehrere Hindernisse in ihren Weg gestellt hatten.

Zuerst war Schlagzeuger Lukas Jank verhindert, wurde aber von Jonas Esser am Drumset würdigst vertreten. Dann musste Bassist Lukas Hatzis kurz vor Beginn des Auftritts einen Riss im Holz seines Kontrabasses feststellen. Und so machte sich Hennes Peter kurzentschlossen auf nach Hause, einen E-Bass aus seiner privaten Instrumentenkollektion zu holen, auf dem Lukas Hatzis den Abend dann fulminant gestalten würde. Der Abend war fürs erste gerettet. Einzig Lukas Derungs brauchte sich keine Sorgen um „spielerische Begleiterscheinungen“ zu machen. Das Piano und das Gesangsmikrofon des Eschborn K  funktionierten fabelhaft und brachten seine profunden Spiel-, Sanges- und Beatboxkünste dann auch bestens zur Geltung. Mit ein wenig Verspätung konnte es ab 20.00 Uhr endlich losgehen.

Die drei lucs spielten ausschließlich eigene Stücke: modernen Jazz, der seine Wurzeln stärker in anderen Musikgenres und -stilen zu haben scheint, als sich aus einer der bekannten Jazztraditionen heraus zu entwickeln. Einer der Wurzelstränge ist die klassische Musik. Jazztypische Akkorde mit vielen Alterationen kommen in ihren Stücken kaum zum Einsatz, dafür aber überraschend oft klare Dur-Moll Harmonien, bisweilen gewürzt mit einer einsamen Alteration. Dabei durchschreiten sie in ihren Stücken geschickt verschiedene tonale Gefilde, eine durchgehende Tonart ist oft nicht auszumachen.

Der jazztypische Swing-Rhythmus wird überhaupt nicht bemüht, sondern des Öfteren durch schwebende 6/8-tel  Rhythmen ersetzt. Geschickt spielen die Musiker mit ihren Rollen innerhalb der Band. Immer wieder übernimmt der Pianist mit seiner linken Hand die Bassline, während der Bassist ein melodisches Solo gestaltet. In manchen Passagen ersetzt Beatboxing oder auch flamencoartig-rhythmisches Klatschen die rhythmusgebende Aufgabe des Schlagzeugs. Und immer wieder scheint der Pianist mit repetitiv-percussiven akkordischen Spielfiguren der primäre Rhythmusgeber zu sein, während der Schlagzeuger den Groove filigran ausgestaltet. Singen und gleichzeitig spielen können sie auch noch. Und so darf man gespannt sein, was ihnen noch einfallen wird, um zukünftig ihr musikalisches Handlungs- und Gestaltungsrepertoire zu erweitern.

Der Gesamtklang ist kraftvoll und präsent, dabei nie zudeckend, sondern immer durchsichtig. Die Musiker musizieren auswendig, sehr konzentriert und aufeinander bezogen. Ihre gemeinsame  Spielfreude ist unmittelbar, ohne sich in Manierismen zu verlieren. Auf die neuen Stücke ihres zweiten Albums NOX darf man freudig gespannt sein.

Da kein Bassist zur anschließenden Session erschienen war, „durfte“ Lukas Hatzis die elektrische Leihgabe vom Hennes dann auch weiterhin zum klingen bringen. Pianisten, Schlagzeuger und Gitarristen gab’s zu Genüge, aber Bläser waren zu wenige erschienen. Und so machte sich Gerd Bauer kurzentschlossen auf nach Hause, doch nochmal sein Saxophon zu holen. Jetzt war der Abend endgültig gerettet.

Heiner Geerlings

Die Bilder sind – wie fast immer – von Harald Stuckmann, der sehr gerne Jazz, aber durchaus auch anderes fotografiert. Siehe: www.harald-stuckmann.de