Auf der Bühne: 2 String ’n Tom

Nichts ist so stetig, wie die Veränderung. Im Idealfall bringt Veränderung etwas Neues, das man als Weiterentwicklung oder reizvolle Varianz des Vorherigen erfahren kann. Im Jazz gehören Veränderungen in der Bandbesetzung quasi zum Konzept. Und dies bewirkt -, oder begünstigt wenigstens die Veränderung in der Musik. Was das konkret heißt, konnte man letzten Sonntag Abend im Eschborn K hören.

2 String’n Tom“ ist eine Band des Schlagzeugers Jörg Kießling, einem leiden-schaftlichen Jazzdrummer, der der Session in Eschborn seit langer Zeit sehr verbunden ist. Gegründet hat er die Band vor knapp 20 Jahren, damals mit Andreas Scholz an der Gitarre und Nina Hacker am Bass. Letzten Sonntag eröffnete diese Band in neuer Besetzung die Session im Eschborn K. Von der alten Bandbesetzung geblieben ist Jörg Kießling, neu dazu kamen Julian Keßler an der Gitarre und – für den kürzestfristig verhinderten Don Hein – Ivan Habernal an Elektro- und Kontrabass. Vergleicht man die Aufnahmen der Band von früher mit dem Repertoire und dem Sound von heute, wird die Veränderung hörbar.

Ein rund – rollender 3er Takt bildete das Fundament des eröffnenden „Black Nasus“ von Joe Henderson. In der weiteren Folge erklangen bekannte Standards wie Charlie Parkers „Ornithologie“ oder Dizzy Gillespies „Night in Tunesia“, aber auch Eigenkompositionen, wie Julian Keßlers „Tudo de voce“.  Die langjährige Spielroutine und Gestaltungskraft der drei Musiker einerseits, sowie das konzentriert auf einander bezogene Musizieren andererseits ließen an keiner Stelle erkennen, dass die letzte Veränderung in der Besetzung der Band nur wenige Stunden vor dem Auftritt erfolgt war.

In ähnlich guter Routine lief dann die anschließende Session an, bei der sich einige weitere langjährige Jazzfreunde von „live & jam“ zum spontanen Musizieren auf der Bühne musikalisch zusammenfanden.

Heiner Geerlings

Die Bilder sind – wie fast immer – von Harald Stuckmann, der sehr gerne Jazz, aber durchaus auch anderes fotografiert. Siehe: www.harald-stuckmann.de

Saturday’s Playground am 20. Okt. 2018: IDIOMA

Ein wunderbarer Spielplatz wurde mit einem langen Festkonzert am Samstag, 20. Oktober 2018 im Eschborn K eröffnet, ganz ohne Spatenstich, aber mit guter Musik! Und ein international gemischtes Publikum hatte sich erwartungsfroh zur Premiere von Saturday’s Playground eingefunden. Seine Erwartungen sollten nicht enttäuscht werden. Denn die Vielfalt der Zuhörer fand ihre Entsprechung in der Vielfalt der musikalischen Akteure und ihrer Darbietungen. Die Anlage zu dieser Vielfalt liegt sicherlich auch im Konzept eines solchen Abends angelegt, der hier seine Feuertaufe bestehen sollte: eine Rhythmusgruppe – hier die Band Idioma aus Mainz – eröffnet und beschließt den Abend mit je einem eigenen Stück. Und zwischen diesen beiden Stücken lädt die Band sich musikalische Gäste auf die Bühne, um mit ihnen jeweils zwei oder drei Stücke zu musizieren. Diese Stücke werden im Vorfeld am Nachmittag in einer Anspielprobe nur kurz unter den Musikern kommuniziert, sodass abends bei der Aufführung dann ein wenig von der Spontaneität und Frische einer Jamsession mitschwingen kann.

Friedrich Wächtershäuser und Moritz Regentag an den Gitarren, Ulrike Schwarz am Altsaxophon und Oliver Stuckard an Trompete und Flügelhorn, sowie Alexandra Pugh und Heiner Geerlings an den ihn eigenen Stimmbändern waren diese Gäste. Und sie brachten in Summe Stücke mit, die einen veritablen Ausschnitt stilistischer Bandbreite des Jazz repräsentierten: klassische Swingnummern und anspruchsvolle Jazzstandards bildeten die Grundlage des ersten Programmteils, wonach die Musik sich im zweiten Programmteil dann bis hin zu experimentellen Klängen und Crossoverstücken entwickelte. Insgesamt vier dieser Stücke waren – neben weiteren Eigenkompositionen – Uraufführungen von Ulrike Schwarz, Friedrich Wächtershäuser und Moritz Regentag.

Pit Marquardt am Schlagzeug, Bastian Weinig am Bass und Lukas Moriz am Piano waren die sprichwörtlich unermüdlichen musikalischen Gastgeber, denen der sechsstündige Musikmarathon aus Anspielprobe und Konzert nie anzumerken war und die ihr musikalisches Können sowohl in der Begleitung ihrer Gäste als auch bei ihren eigenen Stücken eindrucksvoll präsentiert haben.

Das geduldige Publikum dankte es allen mit viel Applaus und begeisterten Rückmeldungen an die Musiker und den Spiritus Rector, Hennes Peter, im Anschluss an das Konzert. Es war ein Abend, dem hoffentlich weitere folgen werden, so die Hoffnung aller Beteiligten.

Heiner Geerlings

Die Bilder sind – wie fast immer – von Harald Stuckmann, der sehr gerne Jazz, aber durchaus auch anderes fotografiert. Siehe: www.harald-stuckmann.de

 

Auf der Bühne: Franzi Aller mit Band

Bewegt sie den Bass, oder bewegt der Bass sie? Es scheint, als bewege der Bass sie so, dass sie den Bass bewegt und ihn damit zum Klingen bringt.

Franzi Aller kam am 30. September ins Eschborn K, um mit ihrem Bass und ihren Mitspielern Sam Hogarth am Klavier und Steve Nanda am Schlagzeug die Jubiläums Saison – 5 Jahre Jamsessions im Eschborn K – zu eröffnen. Dabei kam ein vielfältiges Programm zur Aufführung mit Franziskas eigenen Stücken „No home“ und „I don’t know life“, Standards wie „Love in vain“ oder „I only have eyes for you“ (in einer wunderbaren Bearbeitung von Sam Hogarth), weiterhin Stücke von Miles Davis und Chick Corea, dem Pianisten und Komponisten, der – nach eigenem Bekunden – Sam Hogarth und sein Klavierspiel nachhaltig geprägt hat. Dank der hohen individuellen Spiel- und Gestaltungskunst der drei Musiker und des intensiven gemeinsamen Musizierens blieb beim Zuhörer ein nachhaltiger Eindruck dieses anspruchsvollen und stilistische vielfältigen Programms.

Die sich anschließende Session kam gut in Schwung, und Mitspieler, die der Session schon lange verbunden sind, durften sich über die Begegnung  und Mitwirkung von neuen Mitspielern und einer Sängerin freuen, die an diesem Abend ihr Sessiondebüt gab.

Heiner Geerlings

 

Bilder von Hennes und Mika

Auf der Bühne: Caro Trischler mit Band

„Das Tolle an unserem Programm ist: wir haben nur Lieblingslieder zusammengestellt, und die meisten davon sind unbekannt.“ So moderierte Ulf Kleinert den „Rebel Song“, den dritten Titel des Abends an.

Aber das ist nur ein Teil des Geheimnisses, warum dieser letzte Sessionabend der Saison 2017/18 sooo schön geworden ist. Denn was nützen die vielen schönen und unbekannten Stücke, wenn sie nicht schlüssig zu einem Programm zusammengeführt werden? Dies gelang Caro Trischler vor allem durch ihre ganz eigene Art, die vielen Geschichten, die in den einzelnen sehr unterschiedlichen Stücken in Töne gefasst sind, musikalisch zu erzählen. Dabei kommt ihr ihre klare, geschmeidige und wandlungsfähige Stimme zugute, die ihr ermöglicht, Singer- Songwriter- Songs gleichermaßen bewegend und überzeugend zu singen wie brasilianische Songs oder swingende Jazzstandards.

Caros vielseitiger Sangeskunst standen mit Max Jentzen am Schlagzeug, Bastian Weinig am Kontrabass sowie Ulf Kleinert am Fender-Rhodes musikalische Begleiter anbei, die sich nicht nur durch spieltechnische Souveränität, sondern gleichermaßen durch eine stilistisch- differenzierte Spielkultur auszeichneten. Und so gelang es, dass diese vielen unterschiedlichen Lieblingsstücke auch im direkten stilistischen Wechsel ein rundes Programm ergaben, dem das gut besetzte Auditorium aufmerksam und gerne zugehört hat.

Die anschließende Session gestaltete sich ebenfalls sehr schön. Längere Pausen zwischen den Stücken oder gar Langeweile kamen nicht auf. Denn auf der Bühne waren immer genügend kompetente Mitspieler, die sich gerne aus der abwechslungsreichen Playlist bedienten und sie kurzweilig zum klingen brachten.

Auf dass es ab September genauso schön weitergehen möge …

Heiner Geerlings

Bilder von Hennes und Casey Peter sowie Mika

Auf der Bühne: Berry Blue

Das coolste Familienunternehmen in Sachen „Jazz in Rhein Main“ gab sich am vergangenen Sonntag im Eschborn K die Ehre: Berry Blue ließ seinen warmen markanten Bariton erklingen, begleitet von seinem Sohn Julian Keßler an der Gitarre, Michael Höfler am Bass und Giovanni Gulino am Schlagzeug. Alle drei Bandmusiker überzeugten mit ihrem vielseitigen, gut aufeinander abgestimmten Spiel und ihrer Gestaltungskraft gleichermaßen als Begleiter wie auch als Solisten.

Seit vielen Jahren tritt Berry Blue im Rhein-Main Gebiet auf. Dabei bringt er seinen Zuhörern, von denen einige wohl extra für ihn und seine Combo angereist waren, neben bekannten und immer wieder gern gehörten Jazzklassikern auch weniger bekannte Songs, teils auch aus ganz anderen Genres, zu Gehör. So auch diesen Sonntag: mit „Fly me to the moon“ eröffnete er den Abend (für viele Gäste fast schon ein Stück zum mitsingen), um dann nach und nach – galant moderiert – zu den unbekannten Delikatessen überzuleiten:  „East of the sun and West of the moon“ oder „Parole, parole…“.

Die Session entwickelte sich ähnlich vielseitig wie das Opener-Programm: neben bekannten Sessionklassikern wie „Wave“ oder „Out of nowhere“ wurde auch der ein oder andere weniger bekannte Titel gespielt, so. z. B. Bill Evans’ „Time remembered“. Mit „Lullaby of Birdland“ gaben Berry Blue und seine Band ihren Gästen abschließend dann stilgerecht ein wunderbares Lied für eine gute Nacht mit auf den Heimweg.

Heiner Geerlings

Die Bilder sind – wie fast immer – von Harald Stuckmann, der sehr gerne Jazz, aber durchaus auch anderes fotografiert. Siehe: www.harald-stuckmann.de

Auf der Bühne: The J-Sound Project

Zu Gast im Eschborn K war The J-Sound Project: ein Super Quartett, vier ausdrucksstarke Musiker, jeder ein Meister seines Fachs.

Jason Schneider begeisterte mit tollen Kompositionen, moderner abwechslungsreicher Jazz, reif für Jazz Baltica. Besonders hat mir sein Spiel am Flügelhorn gefallen.

Yuriy Sych präsentiert komplexe Klangideen, tauchte in der Musik am Piano regelrecht ab.

Ivan Habernal spielt einen stabilen, soliden Bass. Mal klassisch, mal auf der Bassgitarre. Ein schönes Fundament für die Band, aber auch schöne Soli. Absolut hörenswert.

Uli Schiffelholz locker an den Drums, zieht mit der Band mit, unterstützt, bringt eigene Ideen ein, lebt in einer eigenen Welt. Ein super spannendes Solo, schön.

Die Session:

Hobbymusiker haben es nach so einem Auftakt schwer. Aber es gab Highlights, die im Gedächtnis bleiben: Beautiful Love, leuchtete auf, Stella by starlight, fing an zu glitzern

The nearness of you: Gerd Bauer war in Hochform am Saxofon und hat es swingen lassen.

Alles zusammen: ein schöner Abend im kleinen Kreis wegen der Osterzeit.

Rüdiger Voerste

Bilder von Hennes Peter

Auf der Bühne: Giovanni Gulino’s Gang

Man nehme:

Einen grünen Sessel, eine Stehlampe, eine Kommode, dazu ein paar gut gelaunte Musiker, und fertig ist die Wohnzimmersession. Natürlich ist das nicht alles, aber es ist ein stimmungsvolles Bühnenbild, das heimelige Atmosphäre beim Publikum erzeugt. Und so es war auch an diesem frostigen Sonntag im Februar.

Draußen war es eisig, doch drinnen wurde es heiß. Denn mit der Giovanni Gulino’s Gang hatten wir einen funky groovenden Sessionopener auf der Bühne.

Im Mittelpunkt stand der Schlagzeuger Giovanni Gulino, der junge hochbegabte Musiker für dieses Projekt um sich geschart hatte und mit ihnen den Groove zum grooven brachte. Giovanni Gulino gehört bei uns schon fast zum Inventar – trotz einer Erkältung hat er das Publikum wieder im Nu begeistert.

Mitgetragen wurden die Rhythmen von der wunderbaren Franzi Aller am Bass. Egal, wo sie zu hören und zu sehen ist, die Zuhörer liegen ihr zu Füßen. Wir dürfen sehr gespannt sein, was wir von der jungen Bassistin noch alles zu hören bekommen.

Das harmonische Rückgrat bildete Andrey Shabashev am Piano – auch er war schon häufig bei uns zu Gast- , der mit starken Soli am Synthesizer und Rhodes eine Prise Pfeffer einbrachte.

Peter Klohmann an diversen Saxofonen und Bassklarinette versorgte die Band mit einer großen Portion Glanz durch Ausdruck und Spielfertigkeit.

Mit Stücken u. a. von Herbie Hancock und Miles Davis war es wieder ein gelungener Auftakt für die anschließende Session. Für alle, die nicht dabei sein konnten: am 25.3.18 startet die nächste Session. Da wird das J-Sound Projekt zu Gast sein.

Euer Hennes

Die Bilder sind – wie fast immer – von Harald Stuckmann, der sehr gerne Jazz, aber durchaus auch anderes fotografiert. Siehe: www.harald-stuckmann.de

Auf der Bühne: My Voice +4

Ob Jazz oder Pop, es geht, gesungen, meistens um „Liebe“, auch mal zu einer Stadt. Unter diesem Motto führte Heiner Geerlings mit seiner geistreichen Moderation sein Publikum von einem Titel zum nächsten. In einen Dialog mit seinem Gesang fügte sich Ulrike Schwarz, gekonnt einfühlsam, mit ihrem Altsaxophon ein. Die beiden wurden vom Sound einer bestens eingespielten Rhythmusgruppe getragen, deren Mitglieder, Lukas Moritz (Piano), Ivan Habernal (Kontrabass), Giovanni ToTò Gulino (Drums) und Heinz („Hennes“) Peter (E-Gitarre) mit Solobeiträgen das begeisterte Publikum durch die Welt des frei improvisierten Jazz führten.

Frei improvisiert wurde auch im Anschluss an das Konzert von „My Voice +4“ im Rahmen der seit Jahren erprobten „Open Stage Jamsession“. Pianisten, Vocalisten, Drummer, Gitarristen, Saxophonisten, Bassisten lösten einander, geführt von einer Rhythmusgruppe, in loser Folge ab. Das Publikum schätzte offensichtlich auch dieses Ereignis (es war doch auch die Bar noch bewirtschaftet).

Wieder einmal ein gelungener Abend, diesmal zum Ausklang des ersten Monats im Neuen Jahr, gelungen nicht nur wegen des fachkundigen, sorgfältigen Vorgehens von Hennes bei der Auswahl der Profiband des Abends, sondern auch wegen des dankenswerten Wirkens der Ehrenamtlichen dieser Kulturinitiative Eschborns.

Ich sehe bereits mit Erwartung dem nächsten Monatsletzten des Kalenders entgegen, wenn im Eschborn K wieder Jazz der gewohnten besonderen Qualität geboten wird.

Das sagt der jazzkundige Mitbürger dieser Stadt

Gerd Bauer

Die Bilder sind – wie fast immer – von Harald Stuckmann, der sehr gerne Jazz, aber durchaus auch anderes fotografiert. Siehe: www.harald-stuckmann.de

Auf der Bühne: Grat

Vor vier Jahren besuchte mich Hennes Peter in der Edisonstraße und erzählte von seiner Idee, eine Session im Eschborn „K“ zu etablieren. Die Frankfurter Musik Werkstatt (FMW) wollte er damals als exklusiven Partner für die Session-Opener gewinnen. Die Plattform sollte auch eine Möglichkeit bieten, „Unerhörtes“ einem ausgewählten Publikum darzubieten. Als Initiator besuchte er alle gängigen Sessions und einige Prüfungskonzerte im Rhein-Main Gebiet und entdeckte so die vielfältige Jazzlandschaft. Es spielten mittlerweile Gruppen unterschiedlichster Institute, u.a. auch die des Netzwerks zur Jazzausbildung der Stadt Frankfurt am Main sowie der Musikhochschule Mainz, im Hinterhaus der Eschborner Jahnstraße 3.

Im Laufe der vergangenen drei Jahren hat sich die Session im „K“ als Institution etabliert und spielt damit eine wichtige Rolle in der Jazzszene Rhein-Main.

Am letzten Sonntag im November zog die Band GRAT mit ihrem Programm die Gäste in ihren Bann. Der Schlagzeuger Philipp Koelges stellte mit Lukas Moriz am Piano und Michael Goldmann (diesmal am Elektrobass) diese Band vor gut einem Jahr zusammen, um seine Arrangements von Klassikern der Pop- und Rockmusik im Rahmen seines Examenskonzerts an der FMW Frankfurter Musikwerkstatt zu präsentieren.

Bei der anschließenden Session waren auch Dozenten und Studierende der FMW in der bunt gemischten Sessiongesellschaft aktiv auf der Bühne. So konnten auch neue Kontakte unter den Musikerinnen und Musikern geknüpft werden.

Bodo Neumann-Gutzeit

Die Bilder sind – wie fast immer – von Harald Stuckmann, der sehr gerne Jazz, aber durchaus auch anderes fotografiert. Siehe: www.harald-stuckmann.de

Auf der Bühne: Tri002 (trio-null-zwo)

Albrecht Ernst (Altsaxophon), Tobias Fröhlich (Kontrabass) und Jan Einar Groh (Schlagzeug) – sie sind das „Tri002“. Und sie eröffneten die Session am letzten Oktobersonntag 2017 im mit Publikum gut gefüllten Eschborn K mit ausschließlich eigenen Stücken. Ausschließlich aus der Feder von Albrecht Ernst. Alle Stücke hatten einen literarischen bzw. persönlichen Hintergrund, und durchgehend sind es Frauen oder Frauengestalten, von denen Abrecht sich zu seiner Musik inspirieren ließ.

Für die Zuhörer war es keine leichte Kost, aber durch ihr intensives gemeinsames und immer stark aufeinander bezogenes Musizieren gaben die Musiker den melodisch und formal sehr frei gestalteten Stücken einen spürbaren Zusammenhalt. Die aufmerksame Stille im Publikum während des ganzen Sets spiegelte diese Dichte ihrer Musik wieder. Das Stück im Zentrum des Programms war das für mich stärkste Werk des Abends: „Ich sah Dich nicht kommen“. Musik gleich einer Reise durch eine vielschichtige Seelenlandschaft, ausgehend von einem selbstgesprächsartigen Monolog des Saxophons klangen innere Unruhe, Zerrissenheit, Ratlosigkeit, und entwickelten sich zunehmend zu vorwärtsdrängender Entschlossenheit.

In der anschließenden Session erklangen dann – dank einer Platzierung auf der Setliste – einige eher wenig gespielte Titel aus dem Real Book, z. B. „Four“ oder „Speak low“. Es gab an diesem Abend also einige Neuentdeckungen für Zuhörer und Musiker.

Heiner Geerlings

Die Bilder sind – wie fast immer – von Harald Stuckmann, der sehr gerne Jazz, aber durchaus auch anderes fotografiert. Siehe: www.harald-stuckmann.de