Saturday’s Playground am 9. März 2019: jazz4play

Saturday´s Playground goes to the Movies

Am vergangenen Samstag war es soweit: Saturday’s Playground ging in die 2. Runde. Zu Gast auf der Bühne war die Band jazz4play rund um den Tenorsaxophonisten Jan Beiling, erweitert um musikalische Gäste. Wie bereits beim ersten Saturday’s Playground im Oktober vergangenen Jahres war eine ganz besondere Stimmung auf der Bühne erlebbar. Die Mischung aus Blattspiel, Arrangements und Improvisation – eigentlich typisch für den Jazz – macht ein solches Konzert für die Musiker und natürlich auch für das zahlreich erschienene Publikum zu einem einmaligen Erlebnis.

Eröffnet wurde der Abend von jazz4play, die nach dem Opener mehrere Solisten einzeln auf die Bühne baten. Als Erster kam Jonathan Strieder an der Posaune mit „Caravan“ zum Einsatz. Als nächster Solist gesellte sich Marko Mebus an der Trompete dazu und glänzte mit dem Stück „Little Sunflower“. Den Abschluss des ersten Sets machte dann Louis Grote und zog mit seiner samtweichen Stimme, unterstützt von einem fetten Bläsersatz, alle Zuhörer in seinen Bann. Mit zwei weiteren Jazzstandards wurde das Publikum in die Pause entlassen. Zwischendrin moderierte Jan Beilling locker und gekonnt. Ein kurzweiliger Abend!

Nach der Pause hieß es dann: Kamera läuft. Im ersten Take wurde eine Eigenkomposition von Louis Grote uraufgeführt. Eine recht verzwickte Nummer mit den Titel „Child“, allerdings mit deutschem Text. Louis hat dieses Stück zunächst mit einem englischen Text geschrieben, sich dann aber zur Aufgabe gemacht, den Titel ins Deutsche zu übertragen. Das Ergebnis lässt uns fühlen, dass es auch mit deutschem Text hervorragenden Jazz geben kann.

Im zweiten Take wurde eine Eigenkomposition von Marko Mebus mit dem Titel „White Out“ uraufgeführt. Ein komplexes Stück mit fein von ihm arrangierten Bläsersätzen. Hier konnte Marko sein ganzes Können zeigen, zum einen kompositorisch, aber insbesondere als Solist ein ganz großes Talent. Für unsere Gäste war es interessant zu erleben, wie hinter der Kamera gearbeitet wird. Sämtliche Arbeitsschritte wurden moderiert und jedem Zuhörer wurde schnell klar, mit welcher Akribie hier zu Werke gegangen wird. 

Live Kino mit zwei Uraufführungen von jungen hochtalentierten Musikern dargeboten, das ist schon etwas ganz besonders. Genau dafür ist das Format Saturday’s Playground konzipiert, hier gibt es Sachen, die es sonst nicht gibt. Wir sind sehr auf die Ergebnisse gespannt, die bald auf dem YouTube Chanel von jazz4play zu sehen sein werden.

Der überaus große Publikumszuspruch ermutigt uns, auch ein drittes Mal den Spielplatz zu eröffnen. Der Termin dafür wird im Oktober 2019 sein und noch rechtzeitig bekannt gegeben.

Euer Hennes

Die Bilder sind von Hennes Peter und Harald Stuckmann

 

Auf der Bühne: Andreas Neubauer and Friends

Die meisten von Andreas Neubauers ziemlich besten Freunden sind in Eschborn schon fast gute alte Bekannte: Vesellin Popov an der Gitarre und Peter Klohmann am Tenorsaxophon. Einzig Markus Allhenn am Bass, der kurzfristig für Bastian Weinig eingesprungen ist, hat hier nun zum ersten Mal von sich hören lassen. Und hoffentlich nicht zum letzten Mal! Denn mit seinem vollen warmen Ton am Bass und seinen rhythmisch präzisen Basslines gestaltete er das Fundament, auf dem seine Mitmusiker sich dann virtuos entfalten konnten. Dass all diese Musiker hervorragend spielen würden, war mir vorher schon klar gewesen. Und doch war ich aufs Neue erstaunt und fasziniert: solch lässige Leichtigkeit, solch ein selbstverständliches Zusammenspiel und solch eine stupende Spieltechnik, die völlig in Musik aufgeht – simply outstanding!

Und noch mehr neue Musiker – es gab noch einen Postopener: die Band one moment – jazz aus Frankfurt. Nach dem Opener war dies sicher eine Herausforderung der besonderen Art, die das Trio um den Pianisten Carsten Kromschröder aber sehr gut meisterte. Sie spielten ausschließlich eigene Stücke, die sich stilistisch deutlich vom vorher gehörten unterschieden, und in der Dirk Märshalls lyrisch-geläufige Soli am E-Bass und Roland Glöcklers bisweilen vertrackte Rhythmen an den Drums sehr gut zur Geltung kamen.

Zwei Bands als Opener – da blieb nur noch eine knappe Stunde Session-Spielzeit, die dann auch recht zügig, aber kurzweilig über die Bühne ging.

Heiner Geerlings

Die Bilder sind – wie fast immer – von Harald Stuckmann, der sehr gerne Jazz, aber durchaus auch anderes fotografiert. Siehe: www.harald-stuckmann.de

 

 

 

Auf der Bühne: trio de lucs

Das trio de lucs eröffnete am 27. Januar das Sessionjahr 2019 im Eschborn K. Dem im Bandnamen wortspielhaft angedeuteten Qualitätstandard wurden die Musiker aus Mannheim vollauf gerecht. Und das, obwohl sich einer reibungslosen Performance gleich zu Beginn mehrere Hindernisse in ihren Weg gestellt hatten.

Zuerst war Schlagzeuger Lukas Jank verhindert, wurde aber von Jonas Esser am Drumset würdigst vertreten. Dann musste Bassist Lukas Hatzis kurz vor Beginn des Auftritts einen Riss im Holz seines Kontrabasses feststellen. Und so machte sich Hennes Peter kurzentschlossen auf nach Hause, einen E-Bass aus seiner privaten Instrumentenkollektion zu holen, auf dem Lukas Hatzis den Abend dann fulminant gestalten würde. Der Abend war fürs erste gerettet. Einzig Lukas Derungs brauchte sich keine Sorgen um „spielerische Begleiterscheinungen“ zu machen. Das Piano und das Gesangsmikrofon des Eschborn K  funktionierten fabelhaft und brachten seine profunden Spiel-, Sanges- und Beatboxkünste dann auch bestens zur Geltung. Mit ein wenig Verspätung konnte es ab 20.00 Uhr endlich losgehen.

Die drei lucs spielten ausschließlich eigene Stücke: modernen Jazz, der seine Wurzeln stärker in anderen Musikgenres und -stilen zu haben scheint, als sich aus einer der bekannten Jazztraditionen heraus zu entwickeln. Einer der Wurzelstränge ist die klassische Musik. Jazztypische Akkorde mit vielen Alterationen kommen in ihren Stücken kaum zum Einsatz, dafür aber überraschend oft klare Dur-Moll Harmonien, bisweilen gewürzt mit einer einsamen Alteration. Dabei durchschreiten sie in ihren Stücken geschickt verschiedene tonale Gefilde, eine durchgehende Tonart ist oft nicht auszumachen.

Der jazztypische Swing-Rhythmus wird überhaupt nicht bemüht, sondern des Öfteren durch schwebende 6/8-tel  Rhythmen ersetzt. Geschickt spielen die Musiker mit ihren Rollen innerhalb der Band. Immer wieder übernimmt der Pianist mit seiner linken Hand die Bassline, während der Bassist ein melodisches Solo gestaltet. In manchen Passagen ersetzt Beatboxing oder auch flamencoartig-rhythmisches Klatschen die rhythmusgebende Aufgabe des Schlagzeugs. Und immer wieder scheint der Pianist mit repetitiv-percussiven akkordischen Spielfiguren der primäre Rhythmusgeber zu sein, während der Schlagzeuger den Groove filigran ausgestaltet. Singen und gleichzeitig spielen können sie auch noch. Und so darf man gespannt sein, was ihnen noch einfallen wird, um zukünftig ihr musikalisches Handlungs- und Gestaltungsrepertoire zu erweitern.

Der Gesamtklang ist kraftvoll und präsent, dabei nie zudeckend, sondern immer durchsichtig. Die Musiker musizieren auswendig, sehr konzentriert und aufeinander bezogen. Ihre gemeinsame  Spielfreude ist unmittelbar, ohne sich in Manierismen zu verlieren. Auf die neuen Stücke ihres zweiten Albums NOX darf man freudig gespannt sein.

Da kein Bassist zur anschließenden Session erschienen war, „durfte“ Lukas Hatzis die elektrische Leihgabe vom Hennes dann auch weiterhin zum klingen bringen. Pianisten, Schlagzeuger und Gitarristen gab’s zu Genüge, aber Bläser waren zu wenige erschienen. Und so machte sich Gerd Bauer kurzentschlossen auf nach Hause, doch nochmal sein Saxophon zu holen. Jetzt war der Abend endgültig gerettet.

Heiner Geerlings

Die Bilder sind – wie fast immer – von Harald Stuckmann, der sehr gerne Jazz, aber durchaus auch anderes fotografiert. Siehe: www.harald-stuckmann.de

 

 

 

Auf der Bühne:
Santa Claus is coming to town

Samstag, fünfzehnter Dezember, neunzehn Uhr dreißig; nur vier Stühle waren noch frei im Eschborn-K. Aber Sie hätten sich dort nicht hinsetzen müssen; an der Bartheke hätten Sie sich einen Hocker nehmen und sofort ein Gespräch mit den Ehrenamtlichen hinter dem Tresen beim Wein- und Bierausschank beginnen können. Und wenn Sie bereits zum zweiten Mal im Eschborn-K  waren, hätte man Sie dort mit Handschlag begrüßt.

Dass Abende des Formats Live&Jam im Eschborn K eine sehr persönliche, anspruchsvolle Note haben, verdanken sie der Initiative ehrenamtlicher Helfer, die, dank fundierter Kenntnis der Jazzszene, Bands mit einem beeindruckenden Repertoire für den jeweiligen Abend engagieren, am Mischpult für einen ausgewogenen Sound sorgen, die Raumausstattung für die Veranstaltung herrichten, die Gästebewirtung organisieren, die Werbung für den Auftritt der Künstler über eigene Medien betreiben, …

So konnten wir Gäste am Samstag einen ganz besonderen Abend genießen. Die vier Sängerinnen des Ensembles feelHARMONY“ (Claudia Renger-Molitor, Tabea Thalheimer, Corinna Herbert, Petra Wiemer aus dem Main-Kinzigkreis) hatten vom ersten Takt an ihr Publikum durch ihr stimmliches Können und ihre ganz besondere Bühnenpräsenz eingefangen.  Obwohl es ja von der Art der Darbietung, auch dank der in Begleitung von Sängern erprobten Rhythmusgruppe (Gudrun Lang-Eurisch(b), Ekkard Pfau(dr), Heiner Geerlings(p), Oliver Stuckard(tr), Jazz war, kam bei dem Opener „ Santa Claus is Coming to Town“ unmittelbar Weihnachtsstimmung auf. Und über die Nachbartische hinweg hörte man die Frage, ob der Nachbar denn schon alle Weihnachtsgeschenke beisammen habe. Die weiteren Darbietungen der vier Damen und ihrer Rhythmusgruppe waren abwechslungs- und variantenreich, mal im vierstimmigen Satz, mal im Duett oder solistisch, mal a capella und immer mit einer Ausstrahlung von Freude  am rhythmischen Gesang vorgetragen –  alles live“.

Das „& Jam“ folgte dann mit freiem Improvisieren der mit Instrumenten ausgestatteten Gäste, sodass es auch noch spät wurde an diesem Abend, ein Vorteil des Wochentags Samstag, bei dem man nicht auf die Uhr schauen muss.

Bei der Heimfahrt hatte ich noch im Ohr den Vierklang der Gäste aus dem Main-Taunuskreis: „Have yourself a merry little Christmas“.

Das sagt Euch Euer Gerd Bauer

Auf der Bühne: Kai Rüffer Fractal Band

Nach fast fünf Jahren kann sich das Konzept des konzertanten Beginns mit anschließender Session im Eschborn K immer noch sehen und hören lassen. Beim mittlerweile traditionellen Novembertermin spielt immer eine Band mit Bezug zur  Ausbildungsstätte,  dieses Mal die „Fractal Band“ um FMW-Absolvent Kai Rüffer am E-Bass. Mit ihm bilden Winfried Rimbach-Sator an Klavier und Keyboard, Steffen Uhrhan am Schlagzeug und Justin Hombach an der Gitarre ein Jazzrock- und Fusionquartett, das mit größtenteils Eigenkompositionen die Session eröffnete.

Als FMW Frankfurter Musikwerkstatt möchten wir uns  bei Hennes Peter und dem ganzen Team vom Eschborn K bedanken, die sich von der Theke bis zur Technik so liebevoll um alles kümmern und ein Wohnzimmer schaffen, in dem  wunderbare Musik stattfindet. Socherlei Orte braucht es sehr nötig und wir sind dankbar, dass sich das „K“ den Jazz leisten kann!

Bodo Neumann-Gutzeit

Die Bilder sind – wie fast immer – von Harald Stuckmann, der sehr gerne Jazz, aber durchaus auch anderes fotografiert. Siehe: www.harald-stuckmann.de

 

 

 

Auf der Bühne: 2 String ’n Tom

Nichts ist so stetig, wie die Veränderung. Im Idealfall bringt Veränderung etwas Neues, das man als Weiterentwicklung oder reizvolle Varianz des Vorherigen erfahren kann. Im Jazz gehören Veränderungen in der Bandbesetzung quasi zum Konzept. Und dies bewirkt -, oder begünstigt wenigstens die Veränderung in der Musik. Was das konkret heißt, konnte man letzten Sonntag Abend im Eschborn K hören.

2 String’n Tom“ ist eine Band des Schlagzeugers Jörg Kießling, einem leiden-schaftlichen Jazzdrummer, der der Session in Eschborn seit langer Zeit sehr verbunden ist. Gegründet hat er die Band vor knapp 20 Jahren, damals mit Andreas Scholz an der Gitarre und Nina Hacker am Bass. Letzten Sonntag eröffnete diese Band in neuer Besetzung die Session im Eschborn K. Von der alten Bandbesetzung geblieben ist Jörg Kießling, neu dazu kamen Julian Keßler an der Gitarre und – für den kürzestfristig verhinderten Don Hein – Ivan Habernal an Elektro- und Kontrabass. Vergleicht man die Aufnahmen der Band von früher mit dem Repertoire und dem Sound von heute, wird die Veränderung hörbar.

Ein rund – rollender 3er Takt bildete das Fundament des eröffnenden „Black Nasus“ von Joe Henderson. In der weiteren Folge erklangen bekannte Standards wie Charlie Parkers „Ornithologie“ oder Dizzy Gillespies „Night in Tunesia“, aber auch Eigenkompositionen, wie Julian Keßlers „Tudo de voce“.  Die langjährige Spielroutine und Gestaltungskraft der drei Musiker einerseits, sowie das konzentriert auf einander bezogene Musizieren andererseits ließen an keiner Stelle erkennen, dass die letzte Veränderung in der Besetzung der Band nur wenige Stunden vor dem Auftritt erfolgt war.

In ähnlich guter Routine lief dann die anschließende Session an, bei der sich einige weitere langjährige Jazzfreunde von „live & jam“ zum spontanen Musizieren auf der Bühne musikalisch zusammenfanden.

Heiner Geerlings

Die Bilder sind – wie fast immer – von Harald Stuckmann, der sehr gerne Jazz, aber durchaus auch anderes fotografiert. Siehe: www.harald-stuckmann.de

Saturday’s Playground am 20. Okt. 2018: IDIOMA

Ein wunderbarer Spielplatz wurde mit einem langen Festkonzert am Samstag, 20. Oktober 2018 im Eschborn K eröffnet, ganz ohne Spatenstich, aber mit guter Musik! Und ein international gemischtes Publikum hatte sich erwartungsfroh zur Premiere von Saturday’s Playground eingefunden. Seine Erwartungen sollten nicht enttäuscht werden. Denn die Vielfalt der Zuhörer fand ihre Entsprechung in der Vielfalt der musikalischen Akteure und ihrer Darbietungen. Die Anlage zu dieser Vielfalt liegt sicherlich auch im Konzept eines solchen Abends angelegt, der hier seine Feuertaufe bestehen sollte: eine Rhythmusgruppe – hier die Band Idioma aus Mainz – eröffnet und beschließt den Abend mit je einem eigenen Stück. Und zwischen diesen beiden Stücken lädt die Band sich musikalische Gäste auf die Bühne, um mit ihnen jeweils zwei oder drei Stücke zu musizieren. Diese Stücke werden im Vorfeld am Nachmittag in einer Anspielprobe nur kurz unter den Musikern kommuniziert, sodass abends bei der Aufführung dann ein wenig von der Spontaneität und Frische einer Jamsession mitschwingen kann.

Friedrich Wächtershäuser und Moritz Regentag an den Gitarren, Ulrike Schwarz am Altsaxophon und Oliver Stuckard an Trompete und Flügelhorn, sowie Alexandra Pugh und Heiner Geerlings an den ihn eigenen Stimmbändern waren diese Gäste. Und sie brachten in Summe Stücke mit, die einen veritablen Ausschnitt stilistischer Bandbreite des Jazz repräsentierten: klassische Swingnummern und anspruchsvolle Jazzstandards bildeten die Grundlage des ersten Programmteils, wonach die Musik sich im zweiten Programmteil dann bis hin zu experimentellen Klängen und Crossoverstücken entwickelte. Insgesamt vier dieser Stücke waren – neben weiteren Eigenkompositionen – Uraufführungen von Ulrike Schwarz, Friedrich Wächtershäuser und Moritz Regentag.

Pit Marquardt am Schlagzeug, Bastian Weinig am Bass und Lukas Moriz am Piano waren die sprichwörtlich unermüdlichen musikalischen Gastgeber, denen der sechsstündige Musikmarathon aus Anspielprobe und Konzert nie anzumerken war und die ihr musikalisches Können sowohl in der Begleitung ihrer Gäste als auch bei ihren eigenen Stücken eindrucksvoll präsentiert haben.

Das geduldige Publikum dankte es allen mit viel Applaus und begeisterten Rückmeldungen an die Musiker und den Spiritus Rector, Hennes Peter, im Anschluss an das Konzert. Es war ein Abend, dem hoffentlich weitere folgen werden, so die Hoffnung aller Beteiligten.

Heiner Geerlings

Die Bilder sind – wie fast immer – von Harald Stuckmann, der sehr gerne Jazz, aber durchaus auch anderes fotografiert. Siehe: www.harald-stuckmann.de

 

Auf der Bühne: Franzi Aller mit Band

Bewegt sie den Bass, oder bewegt der Bass sie? Es scheint, als bewege der Bass sie so, dass sie den Bass bewegt und ihn damit zum Klingen bringt.

Franzi Aller kam am 30. September ins Eschborn K, um mit ihrem Bass und ihren Mitspielern Sam Hogarth am Klavier und Steve Nanda am Schlagzeug die Jubiläums Saison – 5 Jahre Jamsessions im Eschborn K – zu eröffnen. Dabei kam ein vielfältiges Programm zur Aufführung mit Franziskas eigenen Stücken „No home“ und „I don’t know life“, Standards wie „Love in vain“ oder „I only have eyes for you“ (in einer wunderbaren Bearbeitung von Sam Hogarth), weiterhin Stücke von Miles Davis und Chick Corea, dem Pianisten und Komponisten, der – nach eigenem Bekunden – Sam Hogarth und sein Klavierspiel nachhaltig geprägt hat. Dank der hohen individuellen Spiel- und Gestaltungskunst der drei Musiker und des intensiven gemeinsamen Musizierens blieb beim Zuhörer ein nachhaltiger Eindruck dieses anspruchsvollen und stilistische vielfältigen Programms.

Die sich anschließende Session kam gut in Schwung, und Mitspieler, die der Session schon lange verbunden sind, durften sich über die Begegnung  und Mitwirkung von neuen Mitspielern und einer Sängerin freuen, die an diesem Abend ihr Sessiondebüt gab.

Heiner Geerlings

 

Bilder von Hennes und Mika

Auf der Bühne: Caro Trischler mit Band

„Das Tolle an unserem Programm ist: wir haben nur Lieblingslieder zusammengestellt, und die meisten davon sind unbekannt.“ So moderierte Ulf Kleinert den „Rebel Song“, den dritten Titel des Abends an.

Aber das ist nur ein Teil des Geheimnisses, warum dieser letzte Sessionabend der Saison 2017/18 sooo schön geworden ist. Denn was nützen die vielen schönen und unbekannten Stücke, wenn sie nicht schlüssig zu einem Programm zusammengeführt werden? Dies gelang Caro Trischler vor allem durch ihre ganz eigene Art, die vielen Geschichten, die in den einzelnen sehr unterschiedlichen Stücken in Töne gefasst sind, musikalisch zu erzählen. Dabei kommt ihr ihre klare, geschmeidige und wandlungsfähige Stimme zugute, die ihr ermöglicht, Singer- Songwriter- Songs gleichermaßen bewegend und überzeugend zu singen wie brasilianische Songs oder swingende Jazzstandards.

Caros vielseitiger Sangeskunst standen mit Max Jentzen am Schlagzeug, Bastian Weinig am Kontrabass sowie Ulf Kleinert am Fender-Rhodes musikalische Begleiter anbei, die sich nicht nur durch spieltechnische Souveränität, sondern gleichermaßen durch eine stilistisch- differenzierte Spielkultur auszeichneten. Und so gelang es, dass diese vielen unterschiedlichen Lieblingsstücke auch im direkten stilistischen Wechsel ein rundes Programm ergaben, dem das gut besetzte Auditorium aufmerksam und gerne zugehört hat.

Die anschließende Session gestaltete sich ebenfalls sehr schön. Längere Pausen zwischen den Stücken oder gar Langeweile kamen nicht auf. Denn auf der Bühne waren immer genügend kompetente Mitspieler, die sich gerne aus der abwechslungsreichen Playlist bedienten und sie kurzweilig zum klingen brachten.

Auf dass es ab September genauso schön weitergehen möge …

Heiner Geerlings

Bilder von Hennes und Casey Peter sowie Mika

Auf der Bühne: Berry Blue

Das coolste Familienunternehmen in Sachen „Jazz in Rhein Main“ gab sich am vergangenen Sonntag im Eschborn K die Ehre: Berry Blue ließ seinen warmen markanten Bariton erklingen, begleitet von seinem Sohn Julian Keßler an der Gitarre, Michael Höfler am Bass und Giovanni Gulino am Schlagzeug. Alle drei Bandmusiker überzeugten mit ihrem vielseitigen, gut aufeinander abgestimmten Spiel und ihrer Gestaltungskraft gleichermaßen als Begleiter wie auch als Solisten.

Seit vielen Jahren tritt Berry Blue im Rhein-Main Gebiet auf. Dabei bringt er seinen Zuhörern, von denen einige wohl extra für ihn und seine Combo angereist waren, neben bekannten und immer wieder gern gehörten Jazzklassikern auch weniger bekannte Songs, teils auch aus ganz anderen Genres, zu Gehör. So auch diesen Sonntag: mit „Fly me to the moon“ eröffnete er den Abend (für viele Gäste fast schon ein Stück zum mitsingen), um dann nach und nach – galant moderiert – zu den unbekannten Delikatessen überzuleiten:  „East of the sun and West of the moon“ oder „Parole, parole…“.

Die Session entwickelte sich ähnlich vielseitig wie das Opener-Programm: neben bekannten Sessionklassikern wie „Wave“ oder „Out of nowhere“ wurde auch der ein oder andere weniger bekannte Titel gespielt, so. z. B. Bill Evans’ „Time remembered“. Mit „Lullaby of Birdland“ gaben Berry Blue und seine Band ihren Gästen abschließend dann stilgerecht ein wunderbares Lied für eine gute Nacht mit auf den Heimweg.

Heiner Geerlings

Die Bilder sind – wie fast immer – von Harald Stuckmann, der sehr gerne Jazz, aber durchaus auch anderes fotografiert. Siehe: www.harald-stuckmann.de